Trinkspiele und ein gutes Beispiel

Die meisten Trinkspiele haben eines gemein. Sie sind unlustig und sie haben das Problem, Trinken als Strafe anzusehen. Wo ist da der Sinn?

Vor wenigen Jahren habe ich sehr viel getrunken. Selten alleine und nie aus Frust. Man hat es einfach gemacht und es war gut. Ich durfte lernen, ich durfte selbst erfahren, dass Trinkspiele Spaß machen können. Es gibt solche Fälle. Das war eine neue Erfahrung für mich. Ein Beispiel.

Das Spiel ist in einer Musikbar spielbar.

Mitspieler stellen sich im Kreis mit je einem 0,5l Bier auf. Im Takt zur Musik wird ein Schluck aus dem Glas genommen, das Glas nach links weitergegeben und das jeweils neue von rechts kommende Glas verköstigt. Wer ein Glas geleert hat, tritt zurück.

Am Ende bleibt nur einer übrig. Und derjenige hat verloren und lädt zur nächsten Spielrunde ein.

Die Kunst des Spiels, möglichst lange im Kreis zu bleiben, trinken zu können und dennoch zur rechten Zeit den Absprung zu schaffen und nicht Letzter zu werden. Man bleibt aufmerksam, man beobachtet und handelt. Ob das nur eine scheinbare Aufmerksamkeit ist? Oder ist man wirklich jemand anderes? Jemand besseres?

Charles Baudelaire kann man eben verstehen wie man will:

„Der Wein wandelt den Maulwurf zum Adler.“

Adler sein? Das verstehe ich.

Alle gehen arbeiten, nur ich nicht…

Was ist nur los in diesem Land: Sido, der Typ, der vor Jahren mit der bescheuerten Maske unterwegs war, im Duet mit Helge Schneider. Und das Ergebnis lässt sich sehen.

Wie von Helge zu erwarten war, geht es um das Gesamtkonzept. Und das ist interessant. Musik ist einfach, der Beat geht ins Ohr. Refrain auch. Besondere Erwähnung sollen die Lyrics erfahren:

Die beiden erklären das Prinzip des Nicht-Arbeitens in einer verklärenden Form. Hier geht es nicht um den desillusionierten Arbeitslosen, der sein trostloses Leben fristet und vom Amt gegängelt wird. Die finanzielle Existenz wird nicht behandelt, sondern das Lebensgefühl, wenn man sich der Situation bewußt annimmt. Keine Arbeit bedeutet nämlich Freiheit. Bedeutet alltäglicher (positiver) Rauschzustand. Bedeutet Spaß. Und die Frage, wie das sein kann!?

Anatole France hat es bereits vor über 100 Jahren gewußt:

„Die Arbeit ist etwas Unnatürliches. Die Faulheit allein ist göttlich.“

Arbeit ist bei uns fast eine Religion. Dieses hier beschriebene Extrem ist sehr schwer oder gar nicht nachvollziehbar. Nicht utopisch, sondern verachtenswert. Aber ein kleines bißchen schön wäre es doch.

Link zum Song auf youtube: Sido feat. Helge Schneider

Putzfrau im eigenen, privaten Haushalt

Putzen ist eine notwenige Arbeit, wenn man nicht im Dreck leben will. Da halte ich es wie R. Wagner:

„Dreck nicht Dreck sein lassen und mit beiden Händen aufräumen.“

Ich behaupte, den meisten Leuten, macht Putzen keinen Spaß. Aber wie so oft im Leben kann man Arbeit ja auch outsourcen, Wagner hat ja nicht gesagt, welche beiden Hände hier aufräumen müssen. Auch im privaten Haushalt ist es möglich, eine Putzfrau (oder Putzmann, ist ja egal, welches Geschlecht das macht!) einzustellen.

Zwei Fragestellungen kristallisieren sich hier raus: Ist es finanziell sinnvoll? Ist es moralisch in Ordnung?

Finanziell kann man argumentieren: Lohn der Putzfrau ist zu bezahlen. Dafür habe ich mehr Freizeit. Je nach Größe der Wohnung und Besuche der Putzfrau demnach ~100-150 Euro pro Monat [Betrag korrigiert]. Ist mir das Wert? Man kann auch ‚teuerer‘ argumentieren und seinen eigenen Stundenlohn gegenrechnen, der im Durchschnitt wohl etwas höher sein dürfte. Dann stellt sich die Frage nochmal, ist einem das wert? Wobei man bei diesen Gegenrechnungen im Sinne von „eine Stunde meines Lebens kostet so-und-so-viel“ meiner Meinung nach vorsichtig sein sollte. Denn würde man in diesen Stunden überhaupt arbeiten und Geld verdienen? Oder gar anderweitig Geld ausgeben? Im Pub? Ich präferiere die einfache Aufwägung: Lohn der Putzfrau gegnüber Freizeitgewinn bzw. Freizeitverlust.

Die moralische Frage bleibt jedoch auch im Raum. Jemand anderem den Dreck wegmachen ist erniedrigend. Ist es das wirklich? Ein wenig doch sicher. Würde man einem Freund anbieten, gegen Geld die Wohnung von ihm putzen zu lassen, man würde sich doch nicht mehr auf Augenhöhe bewegen. Im Gegensatz zu anderen Dienstleistungen, wo Spezialwissen benötigt wird, das man selbst nicht leisten kann (z.B. Elektriker, KFZ-Mechaniker, IT-Fachman). Wie weit man dafür Geld verlangt als Freund ist dann eher eine Sache der Freundschaft und ggf. Materialverbrauch. Um Erniedrigung geht es hierbei jedoch in der Regel nicht.

Darauf aufbauend: Wenn man nun gesund und munter ist und für seinen eigenen Haushalt sorgen kann und diesen sauber halten kann. Dann jemanden die Arbeit machen lassen? Jemand Fremden indirekt erniedrigen? Ist es wirklich eine Win-Win-Situation, wenn derjenige dankbar zu sein scheint, Geld zu verdienen, dies aber allein durch Sachzwang geschieht?

Wichtig ist hierbei: Das eigene private Putzen ist selbst ohne größere Einschränkungen möglich. Damit wäre es bei beeinträchtigten Personen, die nicht putzen können, wohl eher keine Erniedrigung. Ebenso bei gewerblichen Einrichtungen,- obwohl man sich da sicher auch streiten kann. Soll eben der Chef putzen, dem der Laden gehört?😉

Wo macht man seine eigenen Moralvorstellungen fest und wie konsequent ist man dabei. Ich bin da wenig engstirnig: Wenn die Freizeit knapp und das Geld vorhanden, gibt es auch privat eine Putzfrau.

The Big Lebowski und wer ist der Dude?

„The Big Lebowski“ ist mittlerweile ein Kultfilm der Coen Brüder aus dem Jahre 1998. Ist es nur die herausragende Darstellung des Dudes von Jeff Bridges, die Zeichnung aller dort vorkommenden Charaktere und die kuriosen Dialoge, die den Film so besonders machen? Wie kann in den USA eine stets wachsende Anzahl an Anhänger des Dudeism entstehen?

Für mich und für diejengen Anhänger dieser Religion ist es vermutlich die dargestellte Lebensphilosophie des Dudes, die den Film so bedeutend macht. Es ist auch das Ergebnis, dass ausgerechnet der Dude es am Ende irgendwie packt. In einer scheinbar normalen Welt wirkt letztlich doch der Dude als ausgleichendes, menschliches und vernünftiges Element.

Der Dude macht einfach sein Ding. Viele verstehen ihn nicht. Ich glaube nicht mal, dass er glücklich ist. Oder unglücklich. Aber er ist mit sich selbst im Reinen. Und das zählt in meinen Augen mehr, als glücklich zu sein. Oder scheinbar glücklich.

Ach hört mich an. Ich schwafel schon wieder. Es geht gar nicht so sehr um den Film, sondern um den Way of Life des Dudes. Ich bringe nun auch kein Zitat aus dem Film, wie erwartet. Keine Aussage vom Dude, sondern etwas von de Fontenelle:

„Das größte Geheimnis des Glücks ist, mit sich selbst im Reinen zu sein.“

Ich bin nicht Mr. Lebowski. Ich bin nicht der Dude. Ich möchte gerne.

New Year’s Eve – Silvester 2015/2016

31.Dezember auf 01.Januar war als Kind immer ein besonderer Tag. Nun bin ich längst volljährig und ein wenig Besonders ist die Nacht immer noch.

Denn der gesellschaftliche Druck ist über alle Generationen, wenn man gesund ist, enorm. Ähnlich wie an Heilig Abend „Man muss irgendwas machen“. Ist so, sonst hat man doch angeblich ein trauriges Leben, keine Freunde oder keine Familie. Wenn man nicht will? Entweder man hat Glück und steckt in einer Beziehung. Zu zweit in aller Ruhe den Abend verbringen,- das ist wieder ok. Aber alleine ‚feiern‘, das macht man nicht.

Andere Möglichkeit; man hat das Glück und ein so großes Ego, dass es einem egal ist, was andere sagen und man verkriecht sich zuhause.

Ich bin mit beidem nicht ausgestattet. Ein paar Kommilitonen haben mich also eingeladen, auf eine große WG-Party. Große Lust habe ich nicht. Aber manchmal tut es gut, sich einfach in Gesellschaft zu betrinken und man tut was für sein Social Standing. Und nach 2-3 Liter Bier habe ich den Flow, den ich brauche und alles wird gut.

Und die Neujahrsvorsätze? Die überlege ich mir im neuen Jahr:

„Alle guten Vorsätze haben etwas Verhängnisvolles. Sie werden beständig zu früh gefasst“ (Oscar Wilde)

Prost, Neujahr!🙂

Schlendern und Streifen

Unweit meiner Wohnung befindet sich ein kleiner Park. Ein sehr schöner Park mitten in der Stadt. Ich genieße es zunehmend, dorthin rauszugehen und durch den Park zu streifen. Gerade jetzt im Winter ist sehr wenig los, es ist sehr ruhig. Dann ist es sogar angenehm, wenn mal ein zwei meist ältere Herrschaften den Weg kreuzen. Ganz langsam 10-15 Minuten hindurchstreifen, zur Ruhe kommen zur inneren Ausgeglichenheit. So langsam schlendern als möglich.

„Wer sichere Schritte tun will, muss sie langsam tun.“ (Goethe).

Ich habe alles andere als Stress in meinem Leben. Und doch ist das Gefühl befreiend und es tut gut. Gibt mir Zufriedenheit und Sicherheit,- Goethes Zitat leicht entfremdet, gefällt mir aber.

Ich darf nicht zu lange im Park sein, dann wird es öde. Einen halben oder ganzen Tag wandern, das wäre nichts für mich. Ich muss spätestens nach einer halben Stunde wieder zurück, es gibt so vieles zu tun, das mir Freude und Aktion bietet; sei es einen Film schauen, Essen, mit Freunden was trinken oder mir einen runterh…. die Angewohnheit des alleine durch den Park gehens werde ich beibehalten!

Mein verpasstes Erasmus-Semester

Ein Semester oder ein Jahr im Ausland studieren sei eine Bereicherung. Persönlich wie auch für die Karriere.

Ich hatte letztes Jahr die Gelegenheit, zwei Semester in England zu studieren. Ein Kommilitone ist kurzfristig abgesprungen, der Platz nach England war frei und der Lehrstuhl kam auf mich zu; ich könne dorthin, bevor der freie Platz fakultätsübergreifend angeboten würde. Da das über das bekannte Erasmus-Programm abgewickelt worden wäre, wäre die Durchführung idiotensicher abgelaufen.

Kurze Überlegung. Was hätte mir ein Jahr gebracht, außer Geld gekostet und Stress?

  • Fachliche Weiterbildung: Veranstaltungen besuchen, die meine Uni nicht anbietet?
    Kein Interesse. Mir geht mein Studiengang am A*** vorbei.
  • Hemmungslose Parties feiern?
    Ich bin nicht gut mit Leuten unterhalten. Ich würde jede Party mitnehmen, dabei aber nur in der Ecke stehen (später liegen) und mich zusaufen.
  • Sex?
    Krieg ich nicht hin. Ansprechen, Flirten geht nicht. Ergebnis wäre Punkt 2.
  • Sprache verbessern?
    Das setzt vorraus, dass ich mit Leuten rede. Mache ich nicht so gerne.

Nur ein Punkt hat es auf meine Positiv-Liste geschafft: Die zwei Erasmus-Semester hätte ich als Urlaubssemester rechnen können, was bedeutet, dass ich ohne Probleme zwei Semester länger immatrikuliert sein könnte. Das war mir die ganze Aufregung letzlich nicht wert.

Nein, ich halte es ganz nach Freidank: „Kommt ein Ochs in fremdes Land, wird er doch als Rind erkannt.“

Ich habe mich demnach gegen Erasmus entschieden und blieb zuhause. Der Platz ging hoffentlich an jemanden, der sich darüber freute.